Heimatverein Markt Wittislingen
Wittislingen, Schabringen, Zöschlingsweiler und Beutenstetten




Projekt Fürstinnengrab


Bei der „hohen Weile“ besaß der „untere Müller“ Johann Keiß einen Steinbruch. Aus Gutmütigkeit gestattete er im Herbst 1881 den beiden um diese Zeit arbeitslosen Maurern Joseph Hochstätter und Joseph Lanzinger im Steinbruch zu arbeiten. Die großen brauchbaren Steine sollten dem Müller gehören, die kleineren Stücke durften von den beiden Taglöhnern zur Schotterbereitung verwertet werden.
Bei den Arbeiten stießen die Maurer am 20. November 1881 auf die Seitenwand einer „Höhle“ im Gestein. Später stellte sich heraus, dass es eine große in Stein gehauene Grabkammer von 3 m Länge, 2 m Breite und 1,8 m Tiefe war. Sie war mit Erde und Geröll gefüllt und barg neben Skelettresten eine Anzahl Schmuckstücke. Sie glänzten wie Gold und so rafften die Arbeiter die Fundstücke zusammen. Eilends fuhren sie nach Dillingen und Lauingen, um den Wert schätzen zu lassen.
Als Johann Keiß vom wahren Wert des Fundes erfuhr, machte er eine Besitzansprüche geltend. Unter Einschaltung eines Rechtsanwaltes kam Keiß zu seinem Recht. Schnell hatte sich der wertvolle Fund herumgesprochen und schon am 29.11.1881 berichtete die „Augsburger Abendzeitung“ von den Grabbeigaben. Ein weiterer Bericht der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ machte Altertumshändler aufmerksam. Sie tauchten in Wittislingen auf und boten hohe Summen. Der Preis stieg rasch auf 3.000 Mark. Die Museen in Paris und Wien waren interessiert. Mit Wien war man sich schon einig, als das Nationalmuseum München einen Vertreter nach Wittislingen sandte, um die reichen Fundsachen dem bayerischen Land zu erhalten. Das Nationalmuseum konnte jedoch die Summe nicht bereitstellen. Man setzte alle Hebel in Bewegung um den Betrag aufzubringen. Mit heute unvorstellbaren Finanzierungskonstellationen ist es letztendlich gelungen.
Seither beschäftigt der Fund immer wieder die Wissenschaft.


1  Fürstinnengrab Wittislingen, Gesamtbestand (Foto:!SM, D 2020-1484 2, St. Friedrich)


Aus dem Fürstinnengrab ragen folgende Funde hervor:

3  Die Goldscheiben-fibel von Wittislingen (Foto:ASM, D 2017.858, St.Friedrich)

4  Der Goldfingerring von Wittislingen (Foto: ASM, D 2019.2453, St.Friedrich)

6. Das Goldblattkreuz von Wittislingen (Foto: ASM, D 2018-482, St. Friedrich)

7  Wittislingen, Fragmente einer großen Gewandnadel (Foto: ASM, D2019-2451, St. Friedrich)


Ein einzigartiges Schmuckstück ist die Bügelfibel. Sie ist der größte und schwerste Kleiderverschluss des frühen Mittelalters, der in Bayern und sogar in ganz Deutschland bekannt ist. Sie gehört zum prominentesten Stück des Fundes.

Die Bügelfibel wiegt 254 Gramm und besteht aus Silber und Gold und ist mit glitzernden Granaten verziert, die aus Indien und Portugal stammen. Hergestellt wurde sie aber in Süddeutschland. 



Die Wissenschaft geht von einer Datierung des Grabes vom 6. zum 7. Jahrhundert aus.
Frau Dr. Brigitte Haas-Gebhard ist Mittelalterarchäologin und Leiterin der Abteilung Mittelalter/Neuzeit in der Archäologischen Staatssammlung in München. Unter ihrer Führung wurde die Wittislinger Fibel jahrelang wissenschaftlich untersucht. In umfangreichen Dokumentationen hat sie die Ergebnisse festgehalten („Die große Bügelfibel von Wittislingen“ und „Der Grabfund von Wittislingen -Neubewertung eines Altfundes“).
Deshalb gibt es in der Öffentlichkeit nach wie vor großes Interesse an diesem Grabfund, insbesondere an der einzigartigen Fibel.


Der Markt Wittislingen hat 1955 die Bügelfibel ins Gemeindewappen aufgenommen.


Kaum jemand kennt den genauen Fundort des Fürstinnengrabes.
Der Markt Wittislingen und der Heimatverein arbeiten gemeinsam daran, die Bedeutung des Fundes herauszustellen und die Fundstelle entsprechend zu gestalten.
Das Bayerische Landesamt für Denkmalspflege hat in Regensburg eine spezialisierte Einrichtung geschaffen, die bei archäologischen Veröffentlichungen fachlich zur Seite steht. Die Zusage haben wir erhalten.
Luftbilder im Gemeindearchiv, Fotos von den Steingruben und Bilder vom Bayerischen Luftbildarchiv haben in Verbindung mit einem Zeitzeugen den Fundort aufzeigen können. Mit Hilfe der erfahrenen Vermessungstechnikern konnten die Koordinaten des Grabes festgelegt werden. Das Vermessungsamt hat zwischenzeitlich den Punkt im Gelände bestimmt.


Der Fundort soll vom Geh- und Radweg (Nähe Steinbruch) und von der Zöschlingsweiler Straße her zugänglich gemacht werden. Vorgesehen sind eine Schautafel (Fürstin mit den Grabgegenständen) und zwei Infotafeln. Für ältere Mitbürger wäre eine Ruhebank angebracht.


In der Diskussion ist noch die Gestaltung des Fundortes. Verschiedene Ideen liegen vor und werden geprüft, in welcher Form eine Finanzierung möglich ist. Das Projekt wird beim Bayerischen Landesamt für Denkmalspflege für die Förderung vorgeschlagen.